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Schlimme Diagnose: Digitalisierung im Gesundheitswesen lahmt heftig

Von John Woll am 29.11.2018 14:35 Uhr
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Müsste man zur Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen eine Diagnose anstellen, könnte man dem Patienten bisher nur wenig Hoffnung machen. Die Chancen, die neue Techniken mit sich bringen, kommen hierzulande bisher nicht bei den Patienten an - so das Ergebnis einer Studie. Andere Länder sind hier schon um Jahre voraus.

Deutschland kriegt die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht hin

Wie hat sich das deutsche Gesundheitswesen in Sache Digitalisierung bisher aufgestellt? Geht es nach einer neuen internationalen Studie der Bertelsmann-Stiftung, schlittert Deutschland im Ländervergleich ganz knapp am letzten Platz vorbei - von 17 untersuchten Ländern landet man somit auf Platz 16. Wie die Studie aufzeigt, haben es vor allem Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien geschafft, Digitalisierung im Gesundheitswesen flächendeckend umzusetzen.

Digitalisierung im Gesundheitswesen (Bertelsmann)

"In diesen Ländern sind digitale Technologien bereits Alltag in Praxen und Kliniken", so die Analyse, die die Forschungsgesellschaft empirica in Bonn im Auftrag der Stiftung durchgeführt hatte. Für den Stiftungsvorstand Brigitte Mohn muss sich Deutschland laute Kritik gefallen lassen, da hier immer noch Informationen auf Papier ausgetauscht werden und man gerade einmal dabei ist, Grundlagen für die digitale Vernetzung zu schaffen.

Wie die Studienautoren ausführen, gebe es nach ihrer Ansicht heute keinen Zweifel mehr daran, dass die Vernetzung von Krankenhäusern, Ärzten, Apotheken und anderen Gesundheitseinrichtungen für die Behandlung eine höhere Effizienz und Sicherheit bedeutet. Gerade bei niedergelassenen Ärzten fehle es hier noch viel an den sicheren digitalen Anbindungen.

Andere machen es besser

Laut der Studie haben sich Estland und Dänemark am besten in Sachen digitales Gesundheitswesen hervorgetan. Untersuchungsergebnisse, Medikationspläne und Impfdaten sind für alle Patienten online einsehbar und können eigenständig für Ärzte und andere Einrichtungen freigegeben werden. Kanada und Israel hätten Ferndiagnose und -behandlungen per Video zu einem "selbstverständlichen Teil der Gesundheitsversorgung" gemacht.

"Dass Deutschland einen solchen Rückstand hat, liegt nicht an fehlenden Technologien oder gar am mangelnden Innovationspotenzial des Landes", heißt es es in der Studie. Vielmehr sei eine fehlende strategische Ausrichtung und ein Mangel an entschlossenem politischen Handeln für die aktuelle Lage in Deutschland verantwortlich. Eine Lösung, die die Studien-Macher vorschlagen: Die Gründung einer "Agentur für digitale Gesundheit".

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