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Telefonica-Chef: Deutsche Nutzer sind knauserig und sparen bei Daten

Von Christian Kahle am 12.11.2018 13:30 Uhr
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Eine komplette Abdeckung mit dem kommenden 5G-Mobilfunkstandard in der gesamten Fläche des Landes wird es wohl nie geben. Das sei einfach nicht machbar, erklärte Markus Haas, Chef von Telefonica Deutschland, in einem Interview. Und schon gar nicht mit der geringen Zahlungsbereit­schaft der Nutzer in Deutschland.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte Haas, es werde nicht "auf jeder kleinen Straße, in jedem Waldstück und in jeder Anwohnersackgasse 5G geben. Dafür müssten wir mehrere Hunderttausend Antennen bauen, das ist weder wertstiftend noch finanzierbar." Wohl aber sollen die direkten Lebensbereiche der Menschen komplett mit Breitband-Internet versorgt werden.

Seiner Ansicht nach handelt es sich bei den immer wieder aufgestellten Forderungen nach flächendeckend ausgebauten Netzen mit höchsten Bandbreiten letztlich um die Wünsche einer überschaubaren Menge an Nutzern. Das zeige seiner Ansicht nach die Nutzung des aktuellen Standards LTE. "Erst 17 Millionen unserer insgesamt 45 Millionen Mobilfunkkunden haben überhaupt Endgeräte, die LTE-fähig sind - und damit sind wir führend", so Haas.

Zukunft ist zu wenig Thema

Dass die Entwicklung hier teils noch hinterherhinkt, liegt aus seiner Sicht auch an einer generellen Mentalität, in der Deutschland auch Sinnbild für weite Teile der EU sei. "Nur mit Torhütern gewinne ich kein Spiel, es braucht auch Stürmer. Im Moment sind aber alle Institutionen im Verteidigungsmodus", führte der Telefonica-Chef aus. Zukunftsthemen würden kaum diskutiert, was im internationalen Maßstab dann dazu führt, dass es in anderen Regionen wesentlich schneller vorangeht - vor allem in China, aber auch in den USA.

In Europa habe man aber durchaus alle Möglichkeiten, schnell an die Spitze zu kommen: Die Netzwerkausrüster (Nokia und Ericsson) sind vor Ort und die Rahmenbedingungen müssten im Grunde nur mit politischem Willen passend gestaltet werden. Und nicht schlecht wäre es aus Sicht von Haas auch, wenn die Verbraucher in Deutschland nicht so knauserig wären. Die hohen Gigabyte-Preise würden auch an der geringen Zahlungsbereitschaft liegen und nicht etwa andersherum.

"Jeder schaut Hunderte Mal am Tag auf sein Smartphone, der durchschnittliche Umsatz eines Vertragskunden liegt aber nur bei 15 Euro im Monat - 50 Cent pro Tag für Mobilfunk. Und damit müssen wir unter anderem notwendige Netzinvestitionen und Lizenzkosten finanzieren", beklagte der Manager. Allerdings erwarte er, dass sich das in den kommenden Jahren deutlich ändern wird.

Großer Mobilfunk-Vergleichs-Rechner
Siehe auch: Regierung spricht 5G-Klartext: Mobilfunk endlich für mobile Nutzer!
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