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Google: Video-Leak zeigt schockiertes Management nach Trump-Wahl

Von Christian Kahle am 14.09.2018 08:06 Uhr
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Während die Manager großer Konzerne bei öffentlichen Auftritten möglichst diplomatisch vorgehen müssen, haben sie oft genug dann aber doch auch klare politische Haltungen. Das zeigt jetzt beispielhaft ein Video, das kurz nach dem Wahlsieg Donald Trumps bei Google entstand und erst jetzt an die Öffentlichkeit gekommen ist.

Die Aufnahme entstand auf einem der wöchentlich stattfindenden "Thank God It's Friday" (TGIF)-Meetings am Konzernsitz im kalifornischen Mountain View. Auf diesem werden stets neue Entwicklungen der letzten Woche zwischen Führungskräften und Mitarbeitern in lockerer Atmosphäre diskutiert. Kurz nach der Wahl zum Ende des Jahres 2016 erschien aber quasi das gesamte Top-Management des Konzerns inklusive der Gründer Sergey Brin und Larry Page und des aktuellen Google-Chefs Sundar Pichai.

Allen war auf die eine oder andere Weise anzumerken, dass sie vom Wahlsieg Trumps regelrecht geschockt waren. "Als Einwanderer und als Flüchtling finde ich diesen Wahlausgang widerwärtig und ich weiß, dass es vielen von euch auch so geht", erklärte Brin schon bei der Begrüßung der Teilnehmer. Denn die Ideologie, die sich nun bei der Wahl durchgesetzt hatte, stünde zutiefst im Konflikt zu den Werten, die in einem Unternehmen wie Google gelebt würden.

Solch eine Aussage war für die rechte Presse natürlich ein gefundenes Fressen. Veröffentlicht wurde das Video immerhin von der populistischen Plattform Breitbart, die in den Auftritten einen klaren Beleg dafür sah, dass Google als ganzes Unternehmen eine feindliche Haltung gegen die republikanische Seite der US-Gesellschaft einnehme. Seitens des Unternehmens hielt man dem entgegen, dass die Dienste des Konzerns durchaus völlig neutral agieren würden und die persönlichen politischen Ansichten von Mitarbeitern darauf keinen Einfluss hätten.

Konzernchef macht Hoffnung

So zeigt auch der Auftritt Pichais, dass es hier nicht darum ging, die Belegschaft auf einen Konfrontationskurs einzustimmen. Dieser warb eher für Verständnis, dass Google-Vertreter auch bedächtige Schritt hin zu einer sachlichen Zusammenarbeit mit Trumps Team machen. Er forderte die Mitarbeiter in Voraussicht der kommenden Entwicklungen aber auch auf, im zwischenmenschlichen Umgang noch mehr Sensibilität zu entwickeln - immerhin sei klar, dass durch den Wahlsieg Trumps jene Kräfte Oberwasser bekommen, die offen gegen eine gesellschaftliche Gleichstellung von Minderheiten oder die Gleichberechtigung von Frauen stehen.

Pichai brachte in die Veranstaltungen aber auch seine Erfahrungen aus Indien ein, wo es ebenfalls Zeiten gegeben habe, die für Menschen mit progressiver Grundhaltung ziemlich deprimierend wirkten. Allerdings, so betonte er, habe man den unschätzbaren Vorteil eines demokratisch organisierten Systems, in dem man auch organisieren kann, dass andere Werte wieder mehr Gewicht bekämen.

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