Kartellamt hätte gern den vierten Mobilfunk-Netzbetreiber wieder

Von Christian Kahle am 07.08.2018 14:51 Uhr
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Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme von E-Plus durch Telefonica zwar genehmigt - glücklich ist man in dem Haus mit der Situation aber nicht gerade. Der Chef der Behörde, Andreas Mundt, wünscht sich einen neuen vierten Netzbetreiber und hat durchaus auch Ideen, wie man diesem einen Start ermöglichen könnte.

Angesichts des bevorstehenden Umbruchs zur 5. Generation des Mobilfunks sieht Mundt gute Möglichkeiten, die Voraussetzungen für den Neustart eines weiteren Anbieters zu ermöglichen, wie er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausführte. Dieser, so die Spekulation, müsste sehr günstige Tarife bieten, um gegen die etablierten Unternehmen bestehen zu können. Das wiederum würde dann den Wettbewerb noch einmal befeuern.

Das Problem sind allerdings die Anfangsinvestitionen. Nach dem aktuellen Stand müsste der neue Netzbetreiber erst einmal für riesige Summen Frequenzen ersteigern und dann auch noch zügig eine möglichst flächendeckende Infrastruktur hochziehen. Das ist im Grunde kaum zu stemmen. Zumal noch unklar ist, ob bei der Frequenzauktion überhaupt ein vierter Bieter zugelassen wird.

Inlands-Roaming möglich

Der Start könnte laut Mundt erleichtert werden, indem das so genannte National Roaming wieder aktiviert wird. Der neue Anbieter könnte dann erst einmal auch Kapazitäten bei den anderen Netzbetreibern mit anmieten, um zumindest in erster Zeit die eigenen Versorgungsengpässe zu überbrücken. "Sonst bleibt der Markt wegen der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit des Newcomers in der Ausbauphase und der hohen Investitionskosten verschlossen", erklärte der Chef des Kartellamtes.

Das Roaming unter den Netzbetreibern ist hierzulande komplett untersagt. Das ist auch eine der Ursachen, warum teilweise in ländlichen Regionen nur eine schlechte Mobilfunkversorgung zu finden ist. Denn für die Betreiber ist es schlicht nicht rentabel, nach den enormen Investitionen in die Frequenzauktion auch noch in die Infrastruktur zu investieren, um dann beispielsweise ein kleines Dorf zu versorgen. In anderen Ländern können sich die Netzbetreiber die Kosten in solch einem Fall teilen und den einen Sendemast in einer dünn besiedelten Region dann gemeinsam nutzen.

Siehe auch: Nur für bestehende Anbieter? United Internet kritisiert 5G-Lizenzauktion
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