ZTE-Konflikt vor Lösung: US-Bauern dürfen frei nach China verkaufen

Von Christian Kahle am 22.05.2018 14:42 Uhr
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Der Konflikt um die US-Sanktionen gegen den chinesischen Telekommunikations-Ausrüster ZTE könnte doch noch ein glimpfliches Ende finden. Offenbar ist der chinesische Staat bereit, in anderen Bereichen Zugeständnisse zu machen, die die aktuelle US-Regierung einem Teil ihrer Kernwählerschaft gut verkaufen könnte.

Seitens der USA versucht man, die Sanktionen als Druckmittel in den ohnehin stattfindenden Verhandlungen über die zukünftigen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden weltweit größten Volkswirtschaften zu nutzen. Eine zentrale Rolle spielen dabei landwirtschaftliche Erzeugnisse, so geht es aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervor, die sich auf zwei unterschiedliche, aber nicht namentlich genannte Quellen beruft.

China soll demnach bereit sein, die Zölle auf importierte Landwirtschaftsprodukte aus den USA zu senken oder abzuschaffen. Weiterhin wolle man zusichern, generell mehr Produkte aus der Agrarindustrie zu importieren. Für die ländlichen Regionen zischen den Küstenregionen der USA, wo ein großer Teil der konservativen Kernwählerschaft zu finden ist, wären dies ziemlich gute Nachrichten.

Ein Konzern in Geiselhaft

Im Gegenzug soll man in Washington bereit sein, die Sanktionen gegen ZTE fallen zu lassen. Und dabei handelt es sich dem Vernehmen nach keineswegs um ein mögliches Modell, das eher niedriger gestellte Mitglieder des diplomatischen Stabes entworfen haben. Die Vereinbarung sei vielmehr schon per Handschlag zwischen US-Finanzminister Steven Mnuchin und dem chinesischen Vize-Premier Liu He getroffen worden. Eine Unterzeichnung in schriftlicher Form könnte in der kommenden Woche erfolgen.

Die Sanktionen gegen ZTE wurden verhängt, weil das Unternehmen wiederholt Komponenten, welche von US-Firmen erworben wurden, in den Iran und nach Nordkorea weiterverkauft hatte. US-Firmen sollte es daraufhin für die kommenden Jahre untersagt werden, mit dem Konzern Geschäfte zu machen - was mit hoher Wahrscheinlichkeit dessen Ende bedeutet hätte. Die harte Haltung der US-Regierung wird allerdings von Beginn an von einigen dahingehend interpretiert, dass man dankend eine Geisel für die Verhandlungen mit China angenommen hätte.

Siehe auch: Samsung wittert durch ZTE-Sanktionen die Chance, Qualcomm abzuschießen
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