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Amazon lässt den Signal-Messenger vor Zensoren im Regen stehen

Von Christian Kahle am 02.05.2018 14:34 Uhr
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Der Messenger Signal bekommt immer weniger Spielraum, um sich und seine Nutzer gegen Blockaden repressiver Staaten zu schützen. Nach Google untersagt nun auch Amazon dem Anbieter, mittels der "Domain Fronting"-Technik in der Masse der Dienste auf großen Cloud-Infrastrukturen unterzutauchen.

Das Verfahren wird von mehreren Tools eingesetzt, die besonders stark unter Sperrmaßnahmen zu leiden haben. Im Grunde funktioniert die Sache so, dass von Außen nicht mehr zugeordnet werden kann, von welchem der zahlreichen Dienste, die auf einer Cloud-Infrastruktur gehostet sind, ein bestimmtes Datenpaket eigentlich kommt.

Das soll Zensoren vor die Wahl stellen: Entweder man lässt die Sperrung eines Angebotes sein - oder man blockiert gleich den Zugang zu sehr vielen Webseiten und Services. Und kaum einem Land war die Sperrung Signals bisher wichtig genug, um die User auch von allen weiteren Services abzuklemmen, die bei Google oder Amazon gehostet werden. Bekannt wurde lediglich ein Fall, als Russland kürzlich für eine Blockade des Telegram-Messengers die komplette AWS-Cloud von Amazon und auch die Google-Cloud wegzensierte.

Telegram wohl Auslöser

Wenn es ans Eingemachte geht, zeigt sich aber, was die Bekundungen zur großen Freiheit des Netzes, die man von den Unternehmen immer wieder hört, letztlich wert sind. Erst hat Google es Signal untersagt, das Domain Fronting auf seiner Infrastruktur zu verwenden, nun folgte auch Amazon, wie aus einem Bericht von The Verge hervorgeht. Die Unternehmen ziehen sich hier darauf zurück, dass das Verfahren ohnehin nicht wirklich erlaubt sei, man es bisher aber zumindest in einigen Fällen geduldet habe.

Der Telegram-Vorfall dürfte jetzt auch dafür gesorgt haben, dass das Thema bei den Verantwortlichen in den beiden Unternehmen ins Bewusstsein gerückt ist. Bei diesen dürfte es wahrscheinlich nicht besonders gut angekommen sein, dass Millionen von Nutzern nicht auf die gehosteten Dienste zahlreicher Kunden zugreifen konnten, damit ein Messenger, an dem man eher mäßig verdient, sich gegen Zensurmaßnahmen schützen kann.
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