Jetzt auch mobil Kommentieren!

Verzockt: Smartphone-Hersteller Gionee entlässt massenhaft Mitarbeiter

Von Roland Quandt am 11.04.2018 19:03 Uhr
4 Kommentare
Der Smartphone-Markt fordert immer wieder Opfer. Der starke Wettbewerb kann dabei dafür sorgen, dass es innerhalb kürzester Zeit mit einst gefeierten Marken schnell abwärts geht. In China zeigt sich dies jetzt besonders deutlich, denn mit Gionee ist ein Hersteller in Schwierigkeiten geraten, der bis zum letzten Jahr noch zur Top-6 der Smartphone-Anbieter gehörte.

Wie das chinesische Portal NetEase berichtet, hat Gionee jüngst angekündigt, bis zu 50 Prozent seiner in der Firmenzentrale tätigen Mitarbeiter zu entlassen. Das Unternehmen will damit die Kosten senken und die Grundlagen für einen Neustart schaffen. Erst in der letzten Woche hatte man bereits harte Einschnitte für die Mitarbeiter am wichtigsten Produktionsstandort im chinesischen Dongguan angekündigt.

Gionee A1 Plus: Ein 6 Zoll Riesen-Smartphone auf Android 7-Basis
Dort sollen ebenfalls rund die Hälfte der Mitarbeiter ihren Job verlieren. Wie viele Menschen von den Entlassungen bei Gionee betroffen sein sollen, ist aktuell noch nicht bekannt. Zuletzt waren bei dem Unternehmen laut unbestätigten Angaben rund 8.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die jetzt öffentlich gewordenen Probleme ziehen sich offenbar schon länger hin, wobei vor allem die Finanzierung von Gionee zum Problem geworden ist.

Laut einem Mitarbeiter von Gionee sei die Zukunft des Unternehmens schon länger ungewiss gewesen, wobei die Kommunikation gegenüber den Angestellten alles andere als ausführlich blieb. So mancher Mitarbeiter habe bereits freiwillig seinen Hut genommen, während andere noch auf Pläne für eine Entschädigung bei ihrer Entlassung hofften. Inzwischen hat Gionee verlauten lassen, dass man Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern führt und dabei auch eine Entschädigung vorgeschlagen wird.

Müssen die Mitarbeiter die Spielschulden des Chefs ausbaden?

Schon im Januar hatte ein Gericht in China entschieden, die von Gionee-Chef Liu Li Rong gehaltenen Anteile in Höhe von 41,4 Prozent für zwei Jahre zu beschlagnahmen. Damals gab es Gerüchte, laut denen sich Liu mit Glücksspiel verschuldet haben soll. Gionee war zudem nicht in der Lage, seine Außenstände bei Zulieferern und Werbepartnern zu begleichen.

Obwohl das Unternehmen noch im Januar gleich eine ganze Armada von attraktiven und oft gut ausgestatteten neuen Smartphones präsentiert hatte, verzichtete man kurzfristig auf eine Präsenz auf dem Mobile World Congress 2018 in Barcelona. Dort war das Unternehmen in den letzten Jahren eigentlich immer mit einem vergleichsweise großen Stand vertreten. An Gionees Stelle trat in diesem Jahr der bekannte Konkurrent Xiaomi, der sich erstmals mit einem großen Stand auf dem MWC präsentierte.

Von Insidern war zu hören, dass Gionee sich bei der Arbeit an seinem Line-Up möglicherweise übernommen hatte, ohne zuvor die Finanzierung zu sichern. Das Unternehmen war zuletzt vor allem in Indien expandiert, wo man nun mit einer neuen Strategie rund um eine Reihe neuer Geräte wieder nach Wachstum strebt. So sollen die dortigen Händler direkt angesprochen werden und einen Teil des Marketings übernehmen.

Auch weltweit hat man laut einem Gespräch der India Economic Times mit dem Landeschef von Gionee große Pläne. Derzeit werde an einem neuen Smartphone mit Fingerabdruckleser "im" Display gearbeitet, das langfristig auch international vertrieben werden soll. Ob die getroffenen Maßnahmen reichen werden, um Gionee gesundzuschrumpfen und wieder profitabel zu machen, bleibt allerdings offen.

Gionee hatte es vor einiger Zeit zum sechstgrößten Smartphone-Hersteller Chinas und dank einigem Erfolg in Indien auch weltweit in die Top-10 der Anbieter geschafft. Mittlerweile dürfte der Konkurrenzdruck durch Anbieter wie Apple, Samsung und Huawei, vor allem aber auch Xiaomi, OPPO und Vivo zu groß geworden sein.
whatsapp
Jede Woche neu: Top-News per E-Mail
4 Kommentare lesen & antworten
Verwandte Themen
Android
Hoch © 2000 - 2018 WinFuture Impressum Datenschutz