KI-Fachleute sind Mangelware - und Gehälter schießen durch die Decke

Von Christian Kahle am 06.12.2017 11:11 Uhr
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Angesichts der aktuellen Entwicklungen in der IT-Branche dürfte das Wehklagen über den vielbeschworenen Fachkräftemangel eine neue Stufe erreichen. Denn an allen Ecken und Enden poppen in den letzten Monaten und Jahren Anwendungen auf, hinter denen Algorithmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz stehen - und nur wenige Entwickler beherrschen die Arbeit mit diesen.

Eine aktuelle Analyse des chinesischen Technologie-Konzerns Tencent kommt zu dem Ergebnis, dass es weltweit gerade einmal rund 300.000 Informatiker und Programmierer geben dürfte, die in der Forschung und der Praxis hinreichende Erfahrungen mit KI-Technologien gemacht haben. Der Bedarf seitens der Unternehmen in aller Welt dürfte allerdings bereits jetzt in die Millionen gehen - oder wird das in naher Zukunft tun.

Tencent führt im veröffentlichten Bericht leider nicht im Detail aus, wie man genau zu diesen Berechnungen kommt. Ob sie also genau in dieser Höhe korrekt sind, lässt sich so schwer nachvollziehen. Die Richtung scheint aber durchaus zu stimmen. Denn während die Branche in den letzten Jahren immer wieder mal auf einem gewissen Niveau über zu wenige Fachkräfte jammerte, sind die Beschwerden nun doch wesentlich klarer und lauter, wenn für aktuelle Entwicklungs-Projekte nach KI-Experten gesucht wird.

Vor einiger Zeit berichtete auch schon die New York Times, dass der Mangel an entsprechend fähigen Leuten die Unternehmen dazu bringt, unverhältnismäßige Gehälter anzubieten. Wer bereits einige Erfahrung mit KIs gesammelt hat, kann als Entwickler durchaus auf Jahresgehälter von 300.000 bis 500.000 Dollar kommen. Das ist sehr viel mehr als selbst gut verdienende Programmierer in anderen Bereichen bekommen. Die Top-Experten können in Jahresfrist sogar zu Millionären gemacht werden.

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Zu wenige kommen nach

Allerdings gilt auch dies nicht für jeden Entwickler, der sich angesichts des Trends mal etwas in das Thema eingelesen hat. In dem Bericht war auch von einer ziemlich kleinen Zahl an Experten die Rede. Ein auf KI-Systeme spezialisiertes Entwickler-Labor sprach hier davon, dass es weltweit vielleicht rund 10.000 Leute gebe, die ernsthaft ein neues KI-Projekt auf den Weg bringen könnten. Hinzu kommen dann natürlich noch jene, deren Fähigkeiten zumindest ausreichen, um die Vorgaben in der Software-Entwicklung umzusetzen.

Die Tencent-Zahl von 300.000 entspricht dabei auch nicht jenen, die bereits komplett zur Verfügung stehen. Laut der Analyse sind lediglich zwei Drittel dieser Fachkräfte bereits in der Wirtschaft tätig - und das nicht nur in der IT-Branche im engeren Sinn. Die übrigen hunderttausend haben hingegen den Abschluss ihres Universitäts-Studiums erst noch vor sich. Es werden also noch so einige Leute auf den Arbeitsmarkt kommen - aber nur ein Bruchteil derer, die man benötigen wird.
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