Sci-Hub: Forschungs-Piraten provozieren krasse Gerichtsurteile

Von Christian Kahle am 07.11.2017 15:09 Uhr
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Die einflussreichen Wissenschaftverlage setzen schneller radikale Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet durch, als es sich selbst Hollywood und die Musikindustrie zu träumen wagten. Das zeigt ein aktuelles Urteil eines US-Bundesgerichtes gegen die Plattform Sci-Hub.

Sci-Hub kann als "Pirate Bay der Wissenschaften" beschrieben werden. Die Plattform, die von der kasachischen Informatikerin Alexandra Elbakyan gegründet wurde, bietet Zugang zu zahlreichen wissenschaftlichen Papers an. So können diese von anderen Forschern angeschaut werden, ohne die teils extrem teuren Gebühren der großen Journal-Verlage entrichten zu müssen.

Neben diversen anderen Unternehmen hatte vor einiger Zeit auch die American Chemical Society (ACS) Klage gegen die Plattform eingereicht, berichtete das Magazin TorrentFreak. Die ACS ist einer der führenden Peer-Review-Publisher von Papers aus dem Chemie-Segment und ist eigentlich eine nichtkommerzielle Organisation. Da viele der von ihr veröffentlichten Forschungsergebnisse auch frei auf Sci-Hub zugänglich waren, wurde vor einiger Zeit Klage gegen die Plattform eingereicht.

Umsetzung dürfte spannend werden

Und der Erfolg in dem Urteil ist überwältigend. Die ACS brachte das Gericht nicht nur dazu, ihr Schadensersatz in Höhe mehrerer Millionen Dollar zuzusprechen. Darüber hinaus erwirkte man auch Verfügungen gegen Drittparteien, die bei der Durchsetzung von Ansprüchen des legitimen Rechteverwerters helfen sollen. Das bedeutet insbesondere, dass die ACS nun Provider in den USA zwingen können soll, den Zugang zu der Seite zu blockieren, und auch Suchmaschinenbetreiber wird man wohl dazu bringen können, ihre Ergebnislisten entsprechend zu bereinigen.

In der Klage der ACS ging es im Konkreten um 32 Papers. Für deren Veröffentlichung auf Sci-Hub wurden 4,8 Millionen Dollar Schadensersatz festgesetzt. Der Erfolg dürfte aber auch damit zu erklären sein, dass Sci-Hub keine eigenen Anwälte als Verteidiger vor die US-Gerichte schickt. Anders dürfte es wohl aussehen, wenn die ACS die Verfügungen gegen Provider und Diensteanbieter wie Google konkret durchsetzen will.

Sci-Hub gewürdigt Es gibt auch andere Sichtweisen
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