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iOS: Uber hatte von Apple Berechtigung zum (potenziellen) Schnüffeln

Von Witold Pryjda am 06.10.2017 11:54 Uhr
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Der Mitfahrdienst Uber ist schon seit langem mit Vorwürfen konfrontiert, dass man seine Fahrer und womöglich auch Passagiere ausspioniert (hat). Nun wurde bekannt, dass Uber einen unerwarteten, aber womöglich unwissenden Helfer hatte, nämlich Apple. Denn der iOS-Anbieter soll der Taxi-Alternative ein Tool ermöglicht haben, mit dem Uber den Bildschirm von iPhones "aufzeichnen" konnte.

"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht", so eine bekannte Volksweisheit. Deshalb kann und muss man alle Versicherungen von Uber mit einiger Skepsis sehen, auch wenn das Unternehmen beteuert, dass man mit dem nun bekannt gewordenen Vorfall nicht geschnüffelt bzw. die dazugehörige potenzielle Funktionalität nicht missbraucht habe.

Denn laut einem Bericht von Gizmodo hat Uber von Apple vor einer Weile die Möglichkeit bekommen, den Bildschirm eines iPhones abzugreifen. Apple soll Uber dieses "geheime" Feature gewährt haben, um die Funktionalität der Uber-App für die Apple Watch zu verbessern. Demnach konnte Uber den iPhone-Bildschirm auch dann erfassen, selbst wenn die App des Fahrdienstleisters nur im Hintergrund lief.

Spezielles "Entitlement"

Verantwortlich dafür ist ein so genanntes Entitlement: Das ist ein Stückchen Code, das es App-Entwicklern ermöglicht, bestimmte Funktionalitäten zu steuern und zu programmieren. Das können etwa Benachrichtigungen oder Interaktionen mit iCloud oder Apple Pay sein. Im aktuellen Fall von Uber ging es hingegen um verbessertes Speicher-Management bei der Apple Watch.

Laut Sicherheitsforschern ist ein derartiges Entitlement aber ungewöhnlich und bedarf der expliziten Freigabe durch Apple. Laut Will Strafach, Chef der Sudo Security Group, gebe es derzeit keine einzige andere App, die ein derartiges Entitlement besitzt.

Berechnung von Kartendaten

Uber erklärte gegenüber Gizmodo, dass man das für eine ältere Version der Apple Watch gebraucht und verwendet habe, genauer gesagt für das rechenintensive Rendern von Karten, denn damit konnte man dieses von der Smartwatch auf das iPhone auslagern. Man versichert, dass man das niemals für etwas anderes verwendet habe. Inzwischen benötige man das aber nicht mehr und wird diese Berechtigung aus dem Code entfernen, so Uber.

Das kann man glauben oder nicht, denn Uber ist in Vergangenheit nicht gerade zimperlich in Bezug auf Datenschutz vorgegangen. So hatte das Unternehmen u. a. eine Schnüffelsoftware namens Hell im Einsatz und hat Fahrer ausspioniert, um zu erfahren, ob diese auch für den Konkurrenten Lyft tätig sind.

Siehe auch: Fahrer von Konkurrent Lyft verklagt Uber, wirft Ausspionieren vor
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