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US-Behörde gibt Tesla-Autopiloten Mitschuld an tödlichem Crash

Von Markus Kasanmascheff am 13.09.2017 14:11 Uhr
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In ihrem Abschlussbericht zu einem tödlichen Unfall im vergangenen Jahr eines per Autopilot fahrenden Tesla-Fahrzeugs, spricht die US-Behörde für Transportsicherheit von einem großen Missbrauchsrisiko der Technik. Um die Aufmerksamkeit von Fahrern zuverlässig zu überwachen, könnte künftig eine kontinuierliche Video-Analyse des Gesichts nötig werden.

Bei dem tödlichen Unfall des Tesla-Fahrers war dessen Fahrzeug mit einem plötzlich die Fahrbahn kreuzenden LKWs kollidiert, welcher dem Tesla Model S die Vorfahrt genommen hatte. Der Autofahrer war bei dem Unfall offenbar zu sehr abgelenkt, um rechtzeitig ein­zu­grei­fen, da er sich zu sehr auf die automatischen Erkennungsmechanismen des Autopiloten verlassen hatte.

Tesla S: Wo der Autopilot gut funktioniert - und wo nicht

Menschliche und technische Fehler

Im Abschlussbericht der US-Sicherheitsbehörde ist von einer "Kombination aus mensch­li­chen Fehlern und einem Mangel an ausreichenden Schutzmechanismen des Systems" die Rede, welche für den Unfall verantwortlich waren. Der Autopilot habe weder die Ge­schwin­dig­keit reduziert, keine Warnung abgegeben und auch kurz vor dem Aufprall keine Notbremsung durchgeführt. Die Entfernung zwischen Auto und LKW sei aber so groß ge­we­sen, dass ein Aufprall problemlos vermieden hätte werden können.

Tesla hat den Autopiloten nach dem Unfall wei­ter verbessert. Wie aus der Beurteilung der US-Behörde hervorgeht, gibt es aber darüber hinaus weiteren Ver­bes­se­rungs­be­darf, um die Tech­nik sicherer zu machen und auch vor Missbrauch zu schüt­zen. Sie kritisieren etwa, dass der Autopilot auch in Bereichen aktiviert werden kann, für die er nicht ausgelegt ist. Wirk­lich sicher und zuverlässig funktioniert die Technik bislang nur auf Autobahnen und Landstraßen.

Fahrerüberwachung unzureichend

Darüber hinaus sei das in den Teslas eingebaute Fahrer-Überwachungssystem, welches misst, ob der Fahrer das Lenkrad berührt, nur ein schlechtes Hilfsmittel. Fahren sei eine inhärent visuelle Aufgabe und die Lenkradberührung sage nur wenig über die Auf­merk­sam­keit des Fahrers und seine Fähigkeit aus die aktuelle Verkehrssituation zu beurteilen. An­bie­ter von Autopilot-Systeme wie Tesla, BMW, Volvo oder Infinity könnten daher in Zukunft dazu gezwungen werden, eine videobasierte Fahrerüberwachung zu integrieren.

Auch bezüglich der von Tesla bereitgestellten Unfalldaten äußert sich der Bericht kritisch. Die­se hätten nur unter Mithilfe des Herstellers analysiert werden können. Für die Zukunft sei stattdessen ein herstellerübergreifender Standard notwendig, mit dem Unfalldaten leicht aus­wert­bar sind, um die Technik weiter zu verbessern.
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