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139.000 Euro Schaden: Student verkaufte Gratis-Office-Lizenzen der Uni

Von Nadine Juliana Dressler am 06.08.2017 10:58 Uhr
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Ein junger Mann aus Heiligenhaus in NRW hat monatelang seine leere Haushaltskasse mit dem Verkauf von gratis Microsoft-Lizenzen aufgebessert, die er über die Bergische Uni, über die Fernuni Hagen und von dort studierenden Freunden bezogen haben soll. Der Schaden beläuft sich auf geschätzte 139.000 Euro. Nun stand er vor Gericht.

Bereits am Donnerstag hat das Amtsgericht in Wuppertal in dem Fall des umtriebigen Studenten entschieden (via WAZ). In über 220 Fällen sah es das Gericht nun als erwiesen an, dass der Angeklagte Lizenzen weiterverkauft hatte. Dazu nutze er verschiedene Online Verkaufsplattformen wie Ebay und erzielte mit Lizenzen für Office, Windows und Windows Server jeweils zwischen 5,50 und 230 Euro. Insgesamt soll er sich in dem ihn nachgewiesenen Fällen so rund 12.400 Euro ergaunert haben. Microsoft beziffert den Schaden auf 139.000 Euro, die im Normalfall fällig geworden wären.

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Unverkäufliche Lizenzen

Auf die Schliche kam ihm wie so oft nur der Zufall. Nicht einer seiner Kunden ist darauf aufmerksam geworden, dass er eine eigentlich unverkäufliche Windows-Lizenz erhalten hatte, sondern die Bergische Uni Wuppertal. Dort hatte man im Rahmen einer regulären Überprüfung der Lizenzen festgestellt, dass dort irgendetwas bei den Aktivierungen nicht stimmte. Die Uni kontaktierte zunächst Microsoft, die dann ein Ermittler-Team einsetzten. Verwischt hatte der Student seine Spuren nicht, so fand man ihn entsprechend schnell.

Der US-Software-Riese Microsoft verklagte den aufgeflogenen Studenten dann wegen serienmäßigen Betrugs und Urheberrechtsverletzung in 220 Fällen. Laut dem Staatsanwaltschaft kommt der Student noch einmal mit einem blauen Auge davon. "Das ist strafrechtlich ein Schuss vor den Bug." Die Richter verurteilten ihn zu zwei Jahren Bewährungsstrafe wegen serienmäßigen Betrug und Verstößen gegen das Urheberrecht. Dazu kommt eine Geldstrafe, die der junge Mann aber aufgrund seines aktuell niedrigen Einkommens nur mit 100 Euro im Monat nun für mindestens vier Jahre abstottern muss.

Was kommt auf die Käufer zu

Laut dem Anwalt des jungen Mannes ist dieser nicht nur geständig gewesen, sondern schäme sich auch für sein Handeln. Aus der damaligen Situation heraus sah er den Verkauf als einzige Chance, er hat demnach mit seiner Beute seinen Mietrückstand abgezahlt, dann aber auch für Restaurantbesuche mit seinen Freunden verwendet.

Interessant ist, dass auf die meisten Käufer der Lizenzen keine weiteren Maßnahmen zukommen. Ob sie von dem Betrug im Nachhinein überhaupt erfahren haben ist unklar. "Wir sind mit Sperren zurückhaltend, weil die in bestimmten Szenarien unsere ehrlichen Kunden treffen könnten", hatte ein Mitarbeiter von Microsoft das gegenüber dem Amtsgericht begründet.
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