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Indien stellt sich gegen selbstfahrende Autos und will mehr Fahrer

Von Markus Kasanmascheff am 31.07.2017 10:38 Uhr
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Nach Aussagen des indischen Ministers für Highways und Transport Nitin Gad­kari wird es in Indien auf absehbare Zeit keine selbstfahrenden Autos geben. Die Technik bedrohe Arbeitsplätze und in einem Land mit hoher Ar­beits­lo­sig­keit sei dies nicht akzeptabel. Mit Nachdruck betonte der Minister, dass die Regierung fahrerlose Autos nicht erlauben werde.

Gadkari will sich stattdessen für mehr professionell ausgebildete Fahrer einsetzen. Aktuell würden in Indien etwa 2,2 Millionen zusätzliche Fahrer benötigt, so der Minister. Um der ho­hen Nachfrage an Fahrern zu begegnen, plane die Regierung 100 zusätzliche Fahrschulen und Lehrzentren, die über das ganze Land verteilt sein sollen. Über die nächsten fünf Jahre sollen laut Gadkari so mindestens 500.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

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Deutliche Ablehnung

Die klare Positionierung des Ministers kommt für manche Beobachter überraschend. Ein aktuell in Indien zur Abstimmung vorliegender Ge­setz­ent­wurf der Regierung sieht "zur Förderung von In­no­va­tion, Forschung und Entwicklung" im Kraft­fahr­zeug­be­reich zumindest Tests für selbst­fah­ren­de Autos vor. Dass das sehr stark auf IT ausgerichtete Indien sich zumindest bei der Ent­wick­lung selbstfahrender Autos beteiligen wird, ist daher durchaus möglich. Statt ge­setz­li­chen Hürden könnte aber die mangelnde Infrastruktur den Einsatz fahrerloser Autos unmöglich machen.

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Verkehr zu chaotisch

Google und Uber haben Indien jedenfalls auf ab­seh­ba­re Zeit als Markt für selbstfahrende Au­tos abgeschrieben. Die Straßen seien schlicht­weg zu schlecht und in den Städten der Verkehr zu chaotisch, als dass die Technologie damit funktionieren würde. Einige Entwickler haben zwar auch in Indien bereits Tests mit der Tech­nik durchgeführt, jedoch aber nicht auf öf­fent­li­chen Straßen.

Auch was so genannte Mitfahr-Apps wie Uber und Ola betrifft, ist die Regierung auf Kontrolle und Verbote aus. Nach der Vergewaltigung ei­ner Frau durch einen Uber-Fahrer im Jahr 2014 waren Rufe nach einem allgemeinen Verbot solcher Taxi-Apps laut. Eine abschließende Ent­schei­dung ist zwar noch nicht gefallen. Aktuell sieht es aber danach aus, dass die Dienste künftig zwar stark reguliert werden, aber den­noch weiterhin in Indien tätig sein dürfen.
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