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Tiefseekabel zerstört: Somalia ist seit einem Monat offline

Von Markus Kasanmascheff am 17.07.2017 11:45 Uhr
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Das durch Terrorismus, Armut und regelmäßige Dürren leidgeprüfte Land am Horn von Afrika ist nach dem Ausfall eines Tiefseekabels seit einem Monat nahezu komplett offline. Wie bei einem ähnlichen Fall in Kenia 2009, hatte ein Schiff das Meereskabel versehentlich durchtrennt.

5 Milliarden Menschen sind jetzt mobil

Der Komplettausfall wurde erst jetzt durch den Somalischen Minister für Post und Kommu­ni­ka­tion Abdi Anshuur in einem Radiointerview und in einer Pressekonfe­renz am Samstag öffent­lich bestätigt. Der Vorfall mit dem zerstörten Tiefseekabel war bereits im Juni bekannt geworden, nicht aber dass dieser nahezu einen Komplettausfall für das afrikanische Land zur Folge hatte. Irreführende Berichte darüber hatten nach zwei Wochen gemeldet, dass die Tiefseeverbindung nach zwei Wochen wieder hergestellt worden war. Dies scheint allerdings nicht der Fall zu sein.

Wie lange es dauern kann, bis Somalia wieder Zugang erhält, ist bislang nicht bekannt. Da das Land nur eine Seekabelverbindung hat, die auch das öffentliche Internet übertragen kann, gibt es auch keine Ausweichmöglichkeiten.

Unterseekabel um Afrika

Zugang nur per Satellitenverbindung

Nur über teure und sehr seltene Satellitenverbindungen können einzelne Personen, Firmen und Institutionen in Somalia aktuell auf das Internet zugreifen. Die Folgen für das Land sind verheerend. Gewerbetreibende mussten zwischenzeitlich schließen oder wenn irgendwie möglich improvisieren, um den Betrieb weiter aufrechtzuerhalten. An den Universitäten ist der Lehrbetrieb stark beeinträchtigt.

Mohamed Ahmed Hared von Somali Optical Networks (SOON), einem der größten Internetprovider des Landes, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass sein Land jeden Tag mehrere Millionen Dollar verliere. Minister Abdi Anshuur kalkuliert den täglichen Verlust auf 10 Millionen Dollar. Dies mag wenig erscheinen. Die Zahl relativiert sich allerdings, wenn man sich bewusst macht, dass das Bruttosozialprodukt des Landes pro Kopf in Somalia aktuell bei unter 600 Euro pro Jahr liegt.

Als eines der ärmsten Länder der Welt hat ein Großteil der somalischen Bevölkerung ohnehin keinen eigenen Rechner. Die Bedeutung von Smartphones und die darüber verfügbare Internetverbindung ist für viele Einheimische daher essentiell, selbst wenn der Zugang nur sehr langsam ist und es oft zu Unterbrechungen kommt.

Ein Großteil der Internetkommunikation in Somalia entfällt ohnehin auf Institutionen und Gewerbetreibende. Dass diese jetzt ihre Arbeit teilweise einstellen müssen, hat verheerende Auswirkungen für das afrikanische Land. Dieses hat als so genannter "Gescheiterter Staat" sowieso schon große Mühe, wieder auf die Beine zu kommen.
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