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Uber: Sexismus, Vertuschung und Verrat sollen an Tagesordnung stehen

Von Witold Pryjda am 20.02.2017 13:14 Uhr
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Der Mitfahrdienst Uber hat offenbar ein besonderes "Talent" für PR-Fettnäpfe, denn die US-Firma kommt mit erschreckender Regelmäßigkeit in die Negativschlagzeilen. Nun ist es wieder soweit und dieses Mal wiegen die Vorwürfe besonders schwer, denn eine ehemalige Mitarbeiterin wirft dem Unternehmen schweren Sexismus und dessen systematische Vertuschung vor.

In Fällen von Sexismus-Vorwürfen von ehemaligen Angestellten wird immer wieder gerne argumentiert, dass es sich hier auch um Rache handeln könnte. Im Fall der ehemaligen Uber-Mitarbeiterin Susan Fowler sind sie aber derart detailliert und schwerwiegend, dass Uber es schwer haben wird, sie zu erklären.

So fasste etwa der renommierte Technik-Journalist Walt Mossberg auf Twitter gut zusammen: "Ich kenne diese Person nicht und kann nicht für sie bürgen. Aber wenn auch nur die Hälfte stimmt, was sie hier schreibt, dann hat Uber intern echte Sexismus-Probleme."

Vom ersten Tag an

Denn Fowler, die Uber im Dezember 2016 verlassen hat, schreibt in einem Blogbeitrag, dass sie von ihrem ersten Tag an mit sexueller Belästigung konfrontiert worden sei. Denn gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit als Site Reliability Engineer (SRE) ist sie von ihrem Vorgesetzten ohne jegliche Schamgefühle gefragt worden, ob sie Sex mit ihm haben will.

Die dazugehörigen Screenshots hat die eigenen Angaben nach völlig verblüffte Mitarbeiterin an die Personalabteilung (Human Resources; HR) geschickt, doch dort wollte man nicht mehr als eine simple Warnung gegen den Vorgesetzten aussprechen. HR habe laut Fowler "routinemäßig" Beschwerden und Beweise in Zusammenhang mit sexueller Belästigung ignoriert.

Game of Uber

Insgesamt beschreibt sie ein Arbeitsklima, das sie mit der Serie "Game of Thrones" vergleicht: Machtspiele, Intrigen und Verrat seien demnach an der Tagesordnung, jeder Mitarbeiter versucht, seinen jeweiligen Vorgesetzten zu untergraben. Und diese Art privatwirtschaftlicher Machiavellismus wird auch völlig offen praktiziert, besonders Frauen sind hier die Leidtragenden. Und das hat laut Fowler Folgen: Als sie im November zu Uber gestoßen ist, gab es dort rund 25 Prozent an Mitarbeiterinnen. Als sie das Unternehmen verlassen hat, betrug die Zahl hingegen gerade einmal noch 3 Prozent.

Uber-CEO Travis Kalanick hat auf die Vorwürfe reagiert (via The Verge) und kündigte eine ausführliche Untersuchung der Vorwürfe an. Er selbst höre davon zum ersten Mal, das, was Fowler beschreibt, sei aber "abscheulich und steht im Widerspruch zu allem, wofür Uber steht". Der CEO weiter: "Jeder, der sich so verhält oder glaubt, dass das OK ist, wird gefeuert."
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