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Linus Torvalds: Innovations-Gerede der IT-Branche ist Schwachsinn

Von Christian Kahle am 17.02.2017 11:02 Uhr
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Für Linux-Gründer Linus Torvalds hat die Selbstdarstellung der Technologie-Branche nichts mit der Realität zu tun. Ständig würden Innovationen zelebriert, was aber letztlich nichts anderes sei als eine egoistische Selbstbeweihräucherung.

"Die Innovation, über die die Branche so viel redet, ist nichts anderes als Schwachsinn", erklärte Torvalds auf der aktuell in Kalifornien stattfindenden Konferenz Open Source Leadership Summit. "Jeder kann innovativ sein." Man solle aufhören, ständig bedeutungsschwanger davon zu reden, Dinge anders und neu anzugehen, denn dies sei schlicht bedeutungslos.

Die Realität sieht dort, wo die zahlreichen Produkte der IT-Branche entstehen, laut Torvalds völlig anders aus. "Zu 99 Prozent geht es drum, die anstehenden Aufgaben erledigt zu bekommen", führte er aus. Erfolge kämen im Wesentlichen nicht zustande, indem man sich etwas besonders tolles einfallen lässt. Denn jedes wirklich erfolgreiche Projekt bestehe zu 99 Prozent aus Schweiß und nur zu einem Prozent aus Innovation.

Dies ist laut Torvalds auch beim Linux-Kernel so, der inzwischen den Software-Kern der meisten Computer darstellt - von den High Performance-Servern über Smartphones bis hin zu den zahlreichen Embedded-Systemen. Auf diesen Punkt ist das Projekt sicherlich auch gekommen, weil sich viele Entwickler mit guten Ideen beteiligten. Das sei letztlich aber nur ein kleiner Baustein zum Erfolg.

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Organisation ist alles

"Wir machen das jetzt seit 25 Jahren und die Konstante, die sich über die Zeit durchzieht, ist, dass die Leute immer wieder auf den Fundamenten anderer aufbauen", erklärte der Gründer des Linux-Projektes. Die wichtigste Arbeit, um auf den heutigen Stand zu kommen, habe daher immer darin bestanden, alles Mögliche zu organisieren.

Das Ergebnis dessen wirkt nicht sonderlich spektakulär. "Es ist eigentlich ziemlich langweilig, wie gut unsere Prozesse funktionieren", so Torvalds. Richtiger Stress komme auch nicht auf, wenn irgendwelche Codes falsch sind, sondern wenn die Abläufe nicht stimmen. "Wenn der Code nicht funktioniert, kann es ziemlich aufregend werden. Prozess-Probleme sind hingegen schmerzhaft - das sind Sachen, die man wirklich nicht haben will. Denn dann können die Leute ziemlich sauer aufeinander werden."
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