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Selbst der drittgrößte Notebookhersteller schreibt Notebooks ab

Von Roland Quandt am 16.02.2017 20:40 Uhr
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Geht es nach dem Chef des drittgrößten Vertragsherstellers für Notebooks, geht es mit den Produkten, die den Löwenanteil seines Geschäfts ausmachen, langsam dem Ende entgegen. Wistron-Boss Simon Kin erklärte, Notebooks hätten keineswegs die Talfahrt überwunden, sondern steuerten geradewegs in eine "Krise".

Wie Lin, Vorsitzender von Wistron, nach Angaben des taiwanischen Branchendiensts DigiTimes erklärte, seien die Anzeichen für eine Besserung der Lage im Notebook-Markt vollkommen überbewertet. Zwar seien die Verkaufszahlen im letzten Jahr mit einem Verlust von rund fünf Prozent nicht so stark gefallen wie zuvor und es gebe erste Anzeichen auf gleichbleibende Zahlen in diesem Jahr, doch dies sei keineswegs Grund, große Hoffnungen zu haben.

Der Wistron-Chef behauptete stattdessen, dass sich der Notebook-Markt in einer Krise befinde und die Geräte früher oder später durch Smartphones, Tablets oder andere mobile Produkte ersetzt werden dürften, auch weil sich deren Fähigkeiten immer weiter verbessern. Gleichzeitig sei bei Notebooks kein großer Fortschritt zu verzeichnen, auch weil sich die Hersteller zu lange auf Intel und Microsoft als treibende Kräfte verlassen hätten.

Lin zufolge wird sich durch die Krise die Zahl der Anbieter verringern und gleichzeitig die Zahl der Zulieferer schrumpfen. Die Zulieferer der Notebook-Industrie müssten sich deshalb nach neuen Einnahmequellen umsehen und zum Beispiel auf die Fertigung von Teilen für Smartphones und IoT-Produkte umschwenken. Unter den Vertragsfertigern ist unterdessen ein harter Preiskampf entstanden, denn dominierende Anbieter wie Marktführer Quanta und der zweitplatzierte Compal würden mit immer niedrigeren Preisen versuchen, Kunden zu gewinnen.

Kleinere Konkurrenten wie Inventec, Pegatron und eben Wistron können unterdessen nicht mehr alle möglichen Aufträge annehmen, weil sie nicht mit den niedrigeren Preisen der großen Konkurrenten mithalten können. So verzichtete Wistron zum Beispiel auf die Teilnahme an den Ausschreibungen für den Bau neuer Produkte von ASUS und Acer für 2017.

Auch in Richtung der Endkunden verändere sich der Markt. Lenovo, HP und Dell würden als große Hersteller zwar ihre Marktanteile behaupten können, doch darunter hätten kleinere Anbieter wie ASUS und Acer zu leiden, deren Stückzahlen sinken. Wistron selbst hatte 2016 immerhin 19,6 Millionen Notebooks verkauft, doch dies ändert offenbar nichts an Lins Pessimismus.
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