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Stille auf den Kanälen: UKW-Abschaltung hat in Norwegen begonnen

Von Christian Kahle am 11.01.2017 17:37 Uhr
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Mit dem Slogan "UKW abschalten!" warb vor einiger Zeit der Online-Radiosender Detektor.fm für sein Programm. Und jetzt wird aus dem Spruch Realität - zumindest für die Zuhörer in Norwegen. Dort begann heute die Abschaltung der klassischen Radioübertragung.

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Pünktlich zum festgesetzten Termin am heutigen 11.1. um 11:11 Uhr wurden in Norwegen die ersten UKW-Sender heruntergefahren. Los ging es in den nördlichen Landesteilen. Im Laufe des Jahres sollen aber auch alle anderen Regionen folgen. Zukünftig werden Radioprogramme also nur noch über die neueren digitalen Technologien zu empfangen sein. Norwegen ist das erste Land weltweit, das den Schritt in dieser Konsequenz geht.

In den letzten Wochen und Monaten wurde mit diversen Vorteilen für die Umstellung geworben und versucht, die Bevölkerung mit ins Boot zu bekommen. Mehr Vielfalt und höhere Qualität bilden die zentralen Argumente. Auf der neuen digitalen Infrastruktur lassen sich nun wesentlich mehr Sender parallel übertragen - und das jeweils in voller Qualität, während beim analogen Radio Störungen quasi zum guten Ton gehörten. Das gilt insbesondere für die schwierigen Bedingungen in Norwegen - in der zerklüfteten Landschaft ist es nicht einfach, die UKW-Infrastruktur ordentlich zu betreiben.

Für Hörer wird es teuer

Die Leute nehmen die Sache aber durchaus mit gemischten Gefühlen auf - denn es gibt auch verschiedene Punkte, die für einen Weiterbetrieb von UKW sprechen. So ist das digitale Radio im Betrieb zwar billiger - doch auf die Zuhörer kommen mit der Umstellung einige Kosten zu. Immerhin müssen sich viele neue Empfangsgeräte kaufen und vor allem in Autos ist der Wechsel nicht mit Kleingeld getan. Hinzu kommt die zumindest theoretische Sache mit den Notfällen. Wenn aus irgendeinem Grund digitale Infrastrukturen nicht mehr funktionieren, sind analoge UKW-Übertragungen relativ einfach möglich und einen Empfänger kann man sich mit etwas technischem Wissen aus recht simplen Komponenten basteln.

Wer jetzt im Norden des Landes die Freqzenzen seines UKW-Radios absucht, kann aber durchaus Glück haben. Abgeschaltet wurde zwar die Übertragung der großen Sendestationen. Wer aber in einem Ort lebt, in dem vielleicht ein kleines lokales Radio betrieben wird, kann dies weiterhin auf dem gewohnten Weg empfangen - für solche Angebote gilt bis 2022 noch eine Sonderregelung.

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