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Facebook: Auch Götter müssen sich schicklich anziehen!

Von Christian Kahle am 03.01.2017 16:47 Uhr
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Das Social Network Facebook hat einmal mehr wegen seiner prüden Filtermechanismen für Aufsehen gesorgt. Diesmal waren es allerdings keine stillenden Mütter, die bei dem US-Konzern den Nackedei-Alarm anspringen ließen, sondern eine antike Gottheit.

Im italienischen Bologna ist man durchaus stolz auf die kulturellen Leistungen der Vorfahren - das gilt insbesondere für "den Riesen". Bei diesem handelt es sich um eine Statue, die den römischen Meeresgott Neptun zeigt. Diese wurde im 16. Jahrhundert geschaffen und thront auf einem Brunnen. Unter ihm finden sich Meer-Nymphen wieder, aus deren Brüsten das Wasser sprudelt.

Die lokale Autorin Elisa Barbari illustrierte ihre Facebook-Seite mit einem Foto dieses Schmuckstückes ihrer Heimatstadt. Doch den Jugendschutz-Systemen von Facebook war es reichlich egal, dass hier ein jahrhundertealtes Kulturdenkmal zu sehen ist. Das erste Urteil war eindeutig: Es handle sich um "explizit sexuelle Inhalte".

Das fragliche Foto wurde erst einmal für die Verwendung gesperrt. Der Nutzerin teilte die Plattform mit, dass es aufgrund der vordergründigen Darstellung bestimmter Körperteile gegen die Richtlinien Facebooks verstoße. Die Nutzung von Bildern oder Videos von nackten Körpern sei nicht gestattet - auch wenn dies künstlerischen oder bildenden Zwecken diene.

Facebook rudert zurück

Barbari legte sich allerdings öffentlich mit dem US-Konzern an und brachte das Unternehmen so zum Einlenken. Es sei schlicht verrückt, ein uraltes Kunstwerk zu zensieren, weil es zu viel Haut zeige. Facebook entschuldigte sich daraufhin und erklärte, dass es hier wohl während der Sichtung großer Mengen an Beiträgen und anderen Inhalten zu einem Fehler gekommen sei. Das Bild ist inzwischen freigegeben worden.

Ganz neu ist das Problem für die Neptun-Statue allerdings nicht. Während die Figur selbst seiner Zeit sogar von einem päpstlichen Legaten in Auftrag gegeben wurde, um die Wahl seines Onkels zum neuen Papst Pius IV. zu feiern, zog man es in Bologna in den 1950er Jahren auch schon vor, dem antiken Gott zumindest während der Umzüge von Schul-Absolventen etwas anzuziehen.
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