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ZTE darf keine Qualcomm-Chips mehr in Smartphones verbauen

Von Roland Quandt am 16.04.2018 18:21 Uhr
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Die US-Regierung greift mit neuen Maßnahmen gegen ZTE durch, die unter anderem ein Verbot des Verkaufs von US-Produkten an den chinesischen Elektronikhersteller mit sich bringen. Besonders hart trifft dies die Smartphone-Sparte von ZTE, weil man nun keine neuen Prozessoren des Marktführers unter den Herstellern von ARM-Chips Qualcomm mehr beziehen darf.

In einer heute von US-Handelskommissar Wilbur Ross veröffentlichten Entscheidung, wird es US-amerikanischen Firmen untersagt, ihre Produkte an ZTE zu verkaufen. Das US-Handelsministerium verbietet den Export von US-Produkten an ZTE für einen Zeitraum von vorerst ganzen sieben Jahren, so dass der Konzern ein ernsthaftes Problem bekommen dürfte, wenn er wie bisher auf breiter Front Qualcomm-Plattformen in seinen Geräten einsetzen wollen würde.

Blade V9: ZTE bringt Android 8 und mehr in die Einsteiger-Klasse
Wie problematisch die drakonischen Schritte der US-Behörden für ZTEs Smartphone-Sparte werden dürften, zeigt ein Blick in das Produktportfolio des Unternehmens. Sowohl das jüngst in den Markt gestartete ZTE Blade V9 als auch das kuriose Dual-Screen-Smartphone ZTE Axon M setzen jeweils Qualcomm-SoCs als technische Basis ein. Auch beim ZTE Axon 7 und Axon 7 Mini sind Snapdragon-Chips von Qualcomm verbaut.

Wenig Auswahl bei anderen Chip-Herstellern

Für den Hersteller gibt es wenige Alternativen zu Qualcomms Prozessoren. Zwar könnte man Chips des taiwanischen Anbieters MediaTek verwenden oder auch zu einem Abnehmer von Samsungs Exynos-SoCs werden, doch dürfte letzteres recht schwierig werden und im Fall von MediaTek sind gerade in Sachen Effizienz, Performance und Konnektivität Abstriche zu machen.

ZTE hat nun offenbar keine Möglichkeit mehr, an Qualcomm-SoCs für Mittelklasse und High-End-Geräte zu kommen. Denkbar wäre eventuell noch ein Einkauf aus Drittquellen, doch dies könnte sowohl für ZTE als auch Qualcomm negative politische Folgen haben. Hintergrund des Verkaufsverbots für US-Komponenten mit Blick auf ZTE ist ein gegen den Hersteller noch immer laufendes Verfahren, das nicht im Zusammenhang mit den zuletzt immer lauter gewordenen "Bedenken" der US-Regierung wegen möglicher Sicherheitsbedrohungen durch Produkte chinesischer Hersteller steht.

Stattdessen ist das Verbot, welches übrigens auch für alle anderen Technologieprodukte gilt, die ZTE bisher von US-Herstellern bezog, Folge des Vorgehens der US-Regierung wegen der Verletzung von Handelssanktionen gegen Nordkorea und den Iran. ZTE hatte schon vor Jahren eingestanden, dass man trotz entsprechender Regelungen Technologie in die beiden Länder exportiert hatte. 2017 hatte man dann zugestimmt deshalb eine Strafe in Höhe von fast 1,2 Milliarden Dollar zu zahlen.

Im Rahmen der Einigung mit der US-Regierung war auch das 7-jährige Exportverbot von US-Gütern gegen ZTE enthalten, es war aber vorläufig ausgesetzt worden. Weil ZTE aber während der Verhandlungen mit den US-Behörden und in der "Bewährungsphase" nach Auffassung des US-Handelsministeriums falsche Angaben gemacht hatte, wird das Verkaufsverbot nun in Kraft gesetzt.
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