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Datenschützer-Albtraum: Türkei nimmt Staats-Messenger in Betrieb

Von John Woll am 09.02.2018 17:14 Uhr
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Unter dem Namen PttMessenger wurde in der Türkei ein inländischer Service vorgestellt, der in Konkurrenz zu WhatsApp tritt. Datenschützer warnen eindringlich vor der Nutzung der Anwendung und betonen, dass diese es der türkischen Regierung sehr leicht machen werde, Kommunikation noch stärker zu überwachen.

Die Türkei stellt den PttMessenger vor

Die türkische Regierung will den Markt für Messenger nicht länger ausländischen Unternehmen überlassen - nach Schätzungen nutzen rund 40 Prozent der Türken WhatsApp. Wie der Regierungssprecher Bekir Bozdag laut Bericht von Reuters bei einer Nachrichtenkonferenz mitteilt, hat man jetzt damit begonnen, einen inländischen Service aufzubauen, der zunächst ab dieser Woche in Regierungsbehörden und einigen ausgewählten Privatunternehmen zum Einsatz kommen soll.

Die App mit dem Namen PttMessenger, benannt nach der türkischen Generaldirektion für Post und Telekommunikation (PTT), soll in sechs Monaten dann öffentlich zur Verfügung stehen. Wie die Regierung betont, könne man mit der App ein "sichereres System als WhatsApp" bieten. "Da keine Daten beim Host gespeichert werden, wird es unmöglich sein, auf Daten zuzugreifen", so der Regierungssprecher.

Kritiker schlagen Alarm und warnen eindrücklich

Datenschützer und Kritiker melden nach dem Start des PttMessenger dagegen sehr große Zweifel an, dass die App tatsächlich wie von der Regierung beschrieben konstruiert wurde, und kein Zugriff auf die Daten möglich wäre. Im Gegenteil: Im Hinblick auf die weitreichenden Razzien und Verhaftungen nach dem misslungenen Militärputsch im Juli 2016 sei zu befürchten, dass Behörden dieses Werkzeug beispielsweise nutzen, um Kritiker noch stärker zu überwachen.

Es sei vorstellbar, dass die Regierung in Zukunft vorschreibt, dass die App bei allen in Behörden genutzten Geräten installiert sein muss. Darüber hinaus könnten auch die Angestellten verpflichtet werden, die Anwendung auf ihren persönlichen Geräten zu installieren. "Bei einer App, die unter der Mithilfe der Regierung entwickelt wurde, vor allem wenn diese Regierung die der Türkei ist, wo es ernste Verstöße gegen fundamentale Rechte und Freiheiten gibt, sollten es sich die potenziellen User nicht drei, sondern fünf Mal überlegen, ob sie diese nutzen", so Yaman Akdeniz, Professor für Recht an der Bilgi Universität von Istanbul.

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