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Microsoft gelobt Verzicht auf Zwangs-Upgrade-Tricks à la Windows 10

Von Roland Quandt am 06.02.2018 10:34 Uhr
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Microsoft hat gegenüber der finnischen Verbraucherschutzbehörde Fehler beim Umgang mit der Vermarktung von Windows 10 eingeräumt. Es ging natürlich um die automatische Installation des neuen Betriebssystems mit Hilfe des sogenannten "Get Windows 10"-Tools, was nach Meinung vieler Konsumenten einem "Zwangs-Upgrade" gleichkam. Künftig soll keine Installation ohne ausdrückliche Zustimmung mehr erfolgen.

Wie die finnische Verbraucherschutzbehörde KKV vor einigen Tagen in einer Pressemitteilung verlauten ließ, habe man das Thema mit Microsoft bereits ausführlich diskutiert, als es in den Jahren 2015 bis 2017 im Zuge der Einführung von Windows 10 aktuell war. Am 19. Januar 2018 gab es nun ein weiteres Treffen, bei dem Microsoft eine Reihe von Zugeständnissen machte.

Windows 10 Upgrade-Reservierung


Windows 10 Upgrade-Reservierung

So verpflichtet sich der Konzern ab sofort, dass man keine Marketing-Maßnahmen mehr ergreifen werde, die Nutzer von früheren Windows-Versionen betreffen und bei denen Anwendungen ohne Zustimmung der Anwender auf ihren Rechnern installiert werden. Außerdem versprach Microsoft, dass man keine Upgrade-Tools mehr anbieten wird, bei denen ein "Opt-Out"-Feature entgegen dem üblichen, allgemeinen bekannten Verwendungszweck funktioniert, der vom Nutzer erwartet wird.

Natürlich ging es hierbei um den Umgang mit der sogenannten Get Windows 10 App (GWX). Diese hatte Microsoft einige Kritik beschert, hatte der Softwaregigant das Tool doch bei Nutzern mit aktivierter automatischer Update-Funktion in Windows als "empfohlenes Update" installiert. Das größte Problem war jedoch, dass bei dem Tool die Schaltfläche zum "Schließen" der App nicht etwa das tat, was der Nutzer erwartet - nämlich die Anwendung einfach nur zu beenden.


Stattdessen interpretierte man den Klick auf das "rote X" einfach zu einem "OK" des Nutzers um, woraufhin dann für viele Anwender vollkommen überraschend etwas später ein scheinbar automatisches Upgrade auf Windows 10 begann. Problematisch waren auch die Standard-Einstellungen der App, in der ein Häkchen zur Zustimmung zum Upgrade grundsätzlich automatisch ab Werk gesetzt war, so dass der Anwender dieses explizit abwählen musste, um die Installation von Windows 10 zu verhindern.

Microsoft hatte mehrfach nachgebessert und seine zweifelhafte Praxis letztlich nach einigen Monaten auch aufgegeben. Nach Einschätzung der finnischen Verbraucherschützer gilt es als erwiesen, dass Microsoft sich bei der GWX-App unlauterer Methoden bediente, um das neue Windows 10 zu vermarkten. So sei das Tool klar als Marketing-Werkzeug einzuordnen, weshalb Microsoft nicht eine eindeutige und ausführliche Information der Anwender zugrunde legen könne.

Voreinstellungen dürften nicht an die Stelle einer eindeutigen Zustimmung des Nutzers treten, weil so eine anderslautende Wahl des Konsumenten unter Umständen übergangen werde. Auch die Unterbrechung der Nutzung eines Produkts durch agressive Marketing-Maßnahmen wie das GWX-Tool sei nicht hinnehmbar, mussten die Anwender doch selbst aktiv werden, um sich der auf dem Desktop älterer Windows-Versionen angezeigten Upgrade-Aufforderungen zu entledigen.

Die finnischen Behörden waren nach zahlreichen Rückmeldungen von Verbrauchern aktiv geworden, um Microsoft in die Schranken zu weisen. Auch in vielen anderen Ländern gab es Aufregung um das "Zwangs-Upgrade" auf Windows 10, worauf Microsoft eher widerwillig mit einigen Veränderungen an der Get Windows 10 App reagiert hatte. Effektiv war das Konzept aber wohl allemal, denn später brüstete Microsoft sich damit, dass die Umstellung auf Windows 10 schneller erfolgte als bei allen anderen früheren Versionen seines Betriebssystems.

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