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Benchmarks: So wirkt sich der Meltdown-Patch auf die Leistung aus

Von Witold Pryjda am 05.01.2018 09:49 Uhr
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Diese erste Januar-Woche wird sicherlich in die Geschichte eingehen. Denn mit Meltdown und Spectre sind Lücken bekannt geworden, die sich wie ein Handlungsstrang der Hacker-Serie "Mr. Robot" lesen. Derzeit wird an der Schadensbegrenzung gearbeitet, dabei sorgen auch angebliche Performance-Einbußen für viel Verunsicherung. Benchmarks sorgen nun aber für Klarheit.

30-prozentige Einbußen?

Die Hersteller von Hard- und Software beeilten sich, gegen Meltdown und Spectre Patches in Stellung zu bringen. Die Lücken sind massiv und dennoch fürchten sich manche Nutzer, die Updates einzuspielen. Denn mancherorts ist von Leistungseinbußen von einem Drittel die Rede. Davon kann aber so wie es aussieht keine Rede sein.

Die Seite Techspot wollte es deshalb genauer wissen und hat Hardware bzw. bestimmte PC-Bestandteile vor und nach dem ersten Windows 10-Patch per Benchmarks getestet. Und so viel vorweg: Es gibt Szenarien, bei denen sich der Patch bemerkbar macht, vor allem Gamer haben aber nicht das Geringste zu befürchten.

Meltdown und Spectre


Meltdown und Spectre

SSDs

Die schlechte Nachricht zuerst: In den herangezogenen Benchmarks AS SSD, CrystalDiskMark und ATTO ist zu sehen, dass es bei SSDs (getestet wurde mit einer Samsung SSD 950 Pro) in manchen Bereichen spürbare Einbußen geben kann. Betroffen ist unter anderem die 4K-Read-Performance, hier geht es um 23 Prozent nach unten bzw. kommt es zu einer entsprechenden Verlangsamung.

Als "4K Random Read" wird die Fähigkeit eines Systems bezeichnet, viele kleine Dateien von zufälligen Stellen des Systems einzulesen. Das wird zwar in erster Linie bei Benchmarks verwendet, zu einem vergleichbaren Verhalten kommt es aber beim Start des Systems, bei dem Konfigurationen und Treiber von unterschiedlichen Orten geladen werden müssen.

Die gute Nachricht in Sachen SSD ist, dass nicht alle Benchmark-Disziplinen "verloren" gehen, an manchen Stellen wird die Performance sogar verbessert.


3D-Rendering

3D-Rendering ist vor allem für Kreative und andere IT-Profis interessant, dieser Anwendungsfall stellt aber aufgrund seines üblichen Hardware-Hungers einen guten Gradmesser für Leistung dar. Und hier kann man ebenfalls Entwarnung geben: Bei Cinebench R15 ist zwar ein leichter Performance-Abfall zu bemerken, mit 2% ist dieser aber kaum wahrnehmbar.

Zur besseren Einordnung hat Techspot auch AMD-Prozessoren teilweise in den Tabellen gelassen bzw. aufgenommen, in den Benchmarks wurde aber Meltdown bzw. der dazugehörige Patch getestet, dieser betrifft aber nur Intel. Ganz ähnliche Werte ergeben die Benchmarks Blender und Corona 1.3.

Produktivität

Wer auf seinem Rechner in erster Linie "normal" arbeitet, also Excel-Tabellen bearbeitet, Dateien zippt oder auch verschlüsselt, wird faktisch keinen Unterschied merken. Bei Excel ist die Monte-Carlo-Simulation auf einem Intel Core i7-8700K Pre- und Post-Update völlig unverändert.

Beim Packen und Entpacken per 7-Zip ist auch keine signifikante Einbuße feststellbar, der etwas geringere Wert liegt im Rahmen der Messtoleranz. Selbst bei Ver- und Entschlüsseln per VeraCrypt konnte kein echter Unterschied erfasst werden.

Meltdown und Spectre


Meltdown und Spectre

Gaming

Der für viele wohl interessanteste und kritischste Bereich sind Spiele. Denn Gamer versuchen in der Regel, möglichst viel Leistung aus den System herauszuquetschen, da machen sich schon wenige Prozentpunkte bemerkbar. Und Spieler können beruhigt sein: Der Patch hat praktisch kaum Auswirkungen. In allen getesteten Titeln - Ashes of the Singularity, Battlefield 1 und Assassin's Creed Origins - sind keine spürbaren Leistungsabfälle (Framerate) zu bemerken.

Meltdown und Spectre


Meltdown und Spectre

Im Gegenteil kann man bei Ashes of the Singularity und Battlefield 1 sogar leicht bessere Benchmark-Werte feststellen. Bei Assassin's Creed sind die Ergebnisse bei mittlerer und Ultra-Qualitätsstufe de facto unverändert.

(Erstes) Fazit

Der normale Nutzer, ob er arbeitet oder spielt, dürfte nach derzeitigem Stand praktisch keinen Unterschied spüren, ob er mit oder ohne Patch unterwegs ist. Sorgen müssen sich eigentlich aktuell nur Datencenter machen, denn für Server sind die Schreib- und Lesegeschwindigkeiten essentiell. Dazu kommen die grundsätzlichen Sicherheitsthematiken von Meltdown und Spectre - aber das ist eine andere Baustelle.

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