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Komfort und Kontrolle: China führt WeChat-ID als Personalausweis ein

Von Markus Kasanmascheff am 26.12.2017 10:14 Uhr
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In der südchinesischen Stadt Guangzhou sollen sich Bürger in Kürze bald schon mit der ID des in China führenden Messengers Wechat autorisieren können. Bei Behördengängen, Hotel-Registrierungen, Onlinekäufen und anderen Vorgängen, die eine Identifikation erfordern, soll künftig eine On­line-ID ausreichen.

Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, wurde gestern ein entsprechendes Pilotprogramm im Regierungsbezirk von Nansha gestartet. Die Autorisierung per Wechat-ID soll zunächst in der Provinz von Guangdong getestet und bereits ab Januar im Rest des Landes schrittweise eingeführt werden. Der für Wechat verantwortliche Hersteller Tencent arbeitet bei dem Projekt mit dem Ministerium für öffentliche Sicherheit und anderen Re­gie­rungs­stel­len eng zusammen. Den Behörden dürfte die vertiefte Kollaboration eine Zensur und Kontrolle der Bürger nochmals deutlich erleichtern.

In der Provinz Guangzhou wurde bereits länger mit dem Einsatz von Wechat für bestimmte öffentliche Dienstleistungen experimentiert. So bietet das Volksgericht von Guangzhou be­reits seit einiger Zeit eine Mini-App auf der Wechat-Plattform an, um Bürgern den Zugang zu re­le­van­ten Fallinformationen, Akten und anderen Gerichtsdaten zu erleichtern.

Abgleich mit Behörden

Den Wechat-Ausweis soll es künftig in zwei Versionen geben. Bei einer als Mini-App angebotenen Variante für die simple Iden­ti­fi­ka­tion von Privatpersonen machen die Nutzer einfach mit der Handy-Kamera ein Foto von sich, und erhalten anschließend ihre Iden­ti­fi­ka­tions­num­mer.

Eine erweiterte Version für Ge­wer­be­an­mel­dun­gen und andere Sze­na­rien, bei denen eine strengere Au­then­ti­fi­zie­rung er­for­der­lich ist, erfolgt die Registrierung über sichere Terminals der Polizei. Dabei werden die angegebenen Daten von einem KI-System der Behörden auf Richtigkeit überprüft und miteinander abgeglichen.

Für Wechat ist die Zusammenarbeit mit der Regierung ein weiterer Schritt, seine Rolle als führender Messenger-Dienst in China weiter zu festigen. Die App wird vom IT-Riesen Tencent entwickelt, welcher für manche wegen seiner Verflechtung mit der Regierung fast schon als Staatsunternehmen gilt. Die Geschäfte von Tencent laufen dementsprechend prächtig. Mit einem Börsenwert von mehr als einer halben Billion US Dollar, liegt Tencent mittlerweile vor dem Onlinehändler Alibaba und konkurriert bei der Marktkapitalisierung bereits mit Amazon und Facebook.
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