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Breitband-Jahr 2018: Deutschland rauscht weit am Ziel vorbei

Von Christian Kahle am 21.12.2017 14:55 Uhr
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In wenigen Tagen beginnt nun also das Jahr 2018 - und wir erinnern uns: Bis dahin sollte laut den Zielsetzungen in der Digitalen Agenda jeder Haushalt in Deutschland wenigstens einen Internet-Anschluss mit einer Downstream-Bandbreite von 50 Megabit pro Sekunde buchen können. Doch nicht einmal das klappt.

In den meisten Städten ist inzwischen zwar eine entsprechende Abdeckung vorhanden - doch eben längst nicht in allen und vom ländlichen Raum schweigt man besser. Laut einem aktuellen Bericht der Süddeutschen Zeitung ist es gerade einmal in 36 Prozent der Haushalte auf dem Land möglich, einen Internet-Anschluss zu bekommen, der wenigstens den Zielen des Breitband-Planes der Bundesregierung entspricht.

Top 10-Breitband-Länder weltweit

Und die 50-Megabit-Marke, die immer so vollmundig gepriesen wird, gilt ohnehin nur für die Übertragung von Daten zum Nutzer hin. Zieht man die Upstreams in die Betrachtung mit ein, zeichnet sich ein noch viel schlimmeres Bild. Während die IT-Branche versucht, Cloud-Anwendungen massiv voranzutreiben, gibt es kaum Nutzer, die diese in vollem Umfang gut verwenden können. Allein wer ernsthaft darüber nachdenkt, Cloud-Speicher zum Ablegen von größeren Datenmengen zu verwenden, kann sich auf lange Wartezeiten gefasst machen.

Nächstes unschaffbares Ziel steht schon

Auch wenn das 50-Megabit-Ziel schlicht nicht mehr zu erreichen ist, hat die Bundesregierung nun trotzdem eine weitere Marke gesetzt: Bis 2025 will man flächendeckend auf Gigabit-Bandbreiten hoch. Zumindest im TV-Kabelnetz wäre das wenigstens im Downstream durchaus machbar - wenn vielleicht auch nicht überall. Für echte Gigabit-Anschlüsse müsste allerdings der Glasfaser-Ausbau massiv vorangetrieben werden. Und dies bis 2025 in nennenswertem Maßstab hinzubekommen, dürfte angesichts der Leistung in den letzten Jahren völlig unrealistisch sein.

Selbst wenn der politische Wille da wäre und ordentlich Geld in die Förderung gebuttert würde, wäre ein zügiger Ausbau einer zukunftsfähigen Glasfaser-Infrastruktur nur schwer möglich. Einer der Knackpunkte liegt in der bisher üblichen Verlegung der Kabel unter der Erde. Die Tiefbau-Firmen haben einfach nicht genug Kapazitäten, um mal eben das halbe Land umzugraben - was auch durch bürokratische Hürden kaum einfach möglich wäre.
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