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G20 in Hamburg: Umstrittene Foto-Fahndung enttarnt rechten YouTuber

Von Christian Kahle am 21.12.2017 13:04 Uhr
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Im Zuge der Ermittlungen im Nachgang des G20-Gipfels im Hamburg hat die Polizei nun begonnen, mit Fotos nach Verdächtigen zu suchen. Schon kurz nach der Veröffentlichung der Aufnahmen stellte sich nun die erste Person selbst. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei dieser um einen der rechten Szene zugehörigen YouTuber aus dem Ruhrgebiet.

G20: Unbekannter Teilnehmer 187

Die Behörden haben am Montag eine Öffentlichkeitsfahndung nach 104 Personen gestartet, die verdächtigt werden im Umfeld der Proteste gegen das Gipfeltreffen der G20-Regierungs-Chefs Straftaten begangen zu haben. Und direkt der erste "Fahndungserfolg" passt so gar nicht ins allgemeine Bild - und wirft Fragen auf. Es handelt sich um einen Mann, der in der Liste als "Unbekannter Teilnehmer 187" (UT187) vermerkt war, wie das Vice-Magazin berichtet.

Wie sich jetzt herausstellte, handelt es sich bei diesem um einen YouTuber, der seinen Kanal mit der allseits bekannten rechten Propaganda füllt: Vor der Kamera berichtet er vom drohenden Untergang Deutschlands und der Notwendigkeit, die einzige Heimat der Deutschen zu schützen. Damit konnte er immerhin einige tausend Abonnenten um sich scharen.

Straftäter oder doch nicht?

Die Boulevard-Presse feierte die Sache direkt: "Erster G20-Verbrecher ​stellt sich in Hamburg", hieß es. Zitiert wird ein Polizeisprecher, der erklärte, dass allen Personen auf den veröffentlichten Fotos Straftaten zugeordnet werden können. Auch der Mann, der sich stellte, habe zugegeben, an der Plünderung eines Supermarktes beteiligt gewesen zu sein. Tatsächlich ist der Mann auch auf den Fahndungsbildern beim Betreten des Ladens durch den Kassenbereich zu sehen.

Ob er aber tatsächlich aktiv an der Plünderung beteiligt war, ist auf den Aufnahmen nicht zu sehen. In einer Stellungnahme gegenüber einer rechten Wochenzeitung hat er dies inzwischen auch bestritten. Auch auf den Videos, die er auf seinem Kanal veröffentlichte, streitet er ab, etwas aus dem Laden mitgenommen zu haben.

Sollte letzteres der Wahrheit entsprechen, steht natürlich die Frage im Raum, ob die Öffentlichkeits-Arbeit der Polizei tatsächlich so gewissenhaft vorbereitet wurde, wie diese behauptet. Vielmehr besteht die Gefahr, dass eine ganze Reihe von Personen, die sich lediglich im Umfeld von Ausschreitungen aufhielten, durch die Maßnahme an einen öffentlichen Pranger gestellt werden - wie es in der Boulevard-Presse aktuell der Fall ist.
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