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Kinderarbeit im Kongo: Amnesty erneuert Kritik an Microsoft und Co.

Von Markus Kasanmascheff am 15.11.2017 12:40 Uhr
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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat erneut füh­ren­de Tech-Konzerne kritisiert, nicht genug gegen Kinderarbeit bei der Förderung von Kobalt im Kongo zu tun. Das Übergangsmetall kommt vor allem in der Fertigung von Lithium-Ionen-Akkus für Elektronikgeräte zum Einsatz.

Wie Amnesty International bereits vor zwei Jahren in einem Bericht offenbarte, kommt Ko­balt aus dem Kongo bei der Fertigung von Akkus aller namhaften Smartphone-Hersteller und auch in Laptops, Tablets und Elektroautos zum Einsatz. Laut Unicef-Zahlen waren 2014 im Süden des Kongos rund 40.000 Kinder beim Kobalt-Schürfen im Einsatz gewesen. Die teil­weise nur 7-jährigen verrichten ihre Arbeit ohne Schutzkleidung wie Arbeitshandschuhe, Arbeitskleidung und Atemschutz und verdienen nur etwa 1 bis 2 Dollar pro Tag.

Versprechen von Microsoft und Apple

In einer neuen Analyse fokussiert sich die Hilfsorganisation vor allem auf IT-Konzerne wie Microsoft, Samsung und Apple, um zu überprüfen, was sich seitdem getan hat. In Folge der Medienberichterstattung hatte sich Apple dazu verpflichtet, kein Kobalt aus Minen mit Kin­der­ar­beit mehr in der Produktion seiner Geräte einzusetzen. Auch Microsoft nahm sich des Themas an und gab im August 2017 bekannt, die Organisation Pact in ihrem Kampf gegen Kinderarbeit beim Kobalt-Abbau zu unterstützen.

Amnesty erneuert Kritik

Der neue Amnesty-Bericht kommt aber zu einem ernüchternden Ergebnis. "Keines der von Amnesty International untersuchten 29 Un­ter­neh­men kommt seinen Sorgfaltspflichten zur Offenlegung und Unterbindung von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen hinreichend nach", schreibt die Hilfsorganisation. Un­ter­neh­men wie Mi­cro­soft, Apple und Samsung würden ihre Kobalt-Lieferketten inzwischen stärker kon­trol­lie­ren. Von einer lückenlosen Über­prü­fung sei man jedoch weit entfernt, was die Anstrengungen weitgehend wirkungslos mache.

"Es mangelt bei allen Unternehmen an Transparenz. Deshalb besteht die Gefahr, dass der Käufer eines Smartphones, Laptops oder E-Autos unwissentlich Kinderarbeit fördert", sagt Mathias John, Amnesty-Experte für Wirtschaft und Menschenrechte. Der deutsche Ableger der Hilfsorganisation fordert deshalb, das Thema in die laufenden Son­die­rungs­ge­sprä­che für eine Vierparteienkoalition mit aufzunehmen, um die Unternehmen künftig per Gesetz zur Einhaltung ihrer Sorgfaltspflichten zu zwingen.
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