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Microsofts Vertriebsnetz unterläuft US-Sanktionen gegen Russland

Von Christian Kahle am 12.10.2017 11:57 Uhr
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US-Unternehmen dürfen seit einiger Zeit eigentlich keine Geschäfte mit bestimmten russischen Firmen oder gar staatlichen Organen machen. Trotzdem werden in Russland rege Lizenzen für Microsoft-Produkte gekauft. Das Vertriebsmodell der Redmonder ermöglicht es, die Sanktionen problemlos zu umgehen.

Der Einkauf von Microsoft-Lizenzen durch Behörden ist recht einfach nachvollziehbar - denn die staatliche Beschaffungs-Datenbank sorgt für Transparenz über die Ausgaben der öffentlichen Hand. Und hier finden sich laut Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters an verschiedenen Stellen neu gekaufte Produkte aus Redmond wieder.

Allerdings lief es in keinem Fall so, dass die russischen Behörden direkt bei Microsoft Software gekauft hätten. Vielmehr erwarben die staatlichen Stellen ihre Lizenzen bei verschiedenen Händlern, die legal Geschäfte in Russland machen können, weil die Regierungen ihrer Staaten nicht an den Sanktionen beteiligt sind. Die fraglichen Händler gehören zum großen Netz von Vertriebspartnern, das Microsoft über die ganze Welt hinweg beliefert.

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Microsoft weiß von nichts

In einer Stellungnahme gegenüber Reuters erklärte ein Vertreter des Software-Konzerns, dass man die rechtlichen Rahmenbedingungen für die eigene Geschäftstätigkeit sehr ernst nehme - was entsprechend auch die Sanktionen der US-Regierung gegen Russland betrifft. Das gelte auch für die Geschäftsbeziehungen der Vertriebspartner - und man würde die Zusammenarbeit umgehend stoppen, wenn auf deren Seite ein Fehlverhalten bekannt würde.

Die derzeitigen Sanktionen Washingtons gehen auf die Aneignung der Krim durch Russland zurück. US-Unternehmen dürfen seitdem nicht mit russischen Behörden, Firmen auf der Krim sowie mit Unternehmen aus dem russischen Militär-Komplex Geschäfte machen.

Die jüngsten Einkäufe russischer Behörden umfassen nun aber Microsoft-Produkte im Wert von etwas über einer Million Dollar. Das ist nicht sonderlich viel, allerdings dürfte es sich um Lizenzen für Software handeln, die besonders nötig gebraucht wird, um reibungslose Abläufe zu gewährleisten. Die Recherchen förderten aber auch zutage, dass Microsoft-Produkte auch von Unternehmen gekauft wurden, die gerade eine neue Brücke auf die Krim bauen, dort eine Wellness-Kette unterhalten oder dem russischen Militär zuliefern.
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